Die Geschichte der Jusos in der SPD

Mehr als 100 Jahre Geschichte liegen zwischen den Anfängen der Arbeiterjugendbewegung und den Jungsozialisten in der SPD. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich die Arbeiterbewegung in Deutschland etabliert. Weil sie über diverse Einrichtungen im Sport- und Freizeitbereich verfügte, konnte sie sich so in einem stabilen Milieu einrichten. Die Geschichte der sozialistischen Arbeiterjugendbewegung beginnt zu diesem Zeitpunkt. Das Jahr 1904 gilt als als offizielles Gründungsdatum. In diesem Jahr richtete sich in Berlin die organisierte Basis der Arbeiterjugendbewegung für den nördlichen Teil des damaligen Deutschen Reiches ein. jungsozialisten in der SPD

Die ArbeiterInnenschaft und vor allem die jugendlichen ArbeiterInnen mussten am Anfang des 20. Jahrhunderts unter katastrophalen Umständen arbeiten. Die Entstehung einer proletarischen Jugendbewegung ist insbesondere auf die extrem schlechten Arbeits- und Lebensverhältnisse zurückzuführen. Diese unwürdigen Arbeitsbedingungen trafen vor allem auf die Lehrlinge zu, weshalb diese sich als erste in den Arbeiterjugendbildungsvereinen zusammenfanden und sie daher als konkreter Auslöser der Bewegung gelten. Mit heftiger Gegenwehr von staatlicher Seite kämpfend wurden Veranstaltungen der Arbeiterjugend überwacht und willkürlich verboten. Im 1908 erlassenen Reichsvereinsgesetz verbot man Personen unter 18 Jahren ein politisches Mitwirken in Vereinen. Deshalb verlagerten sich die Schwerpunkte in die Jugendpflege der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften, was jedoch wiederum zu Konflikten um Inhalte, Strategie und Ausdrucksformen führte.

Ein Anwachsen der ArbeiterInnenjugend wurde durch den Ersten Weltkrieg zunächst gestoppt, allerdings entstanden nach Beendigung des Krieges überall in Deutschland jungsozialistische Gruppen. Diese wurden 1920 als weitere Jugendorganisationen offiziell von der SPD anerkannt, umfassten jedoch nie mehr als 10.000 Mitglieder. Grundsatzfragen und unterschiedliche Auffassungen hierzu führten zu einer Zersplitterung der Jugendgruppen.

Als eine ihrer Hauptaufgaben aus den Anfängen der proletarischen Jugendbewegung galt die Weiterbildung von Arbeiterjugendlichen, die als Anreiz in eine solche Vereinigung einzutreten, insbesondere das in den Organisationen herrschende intensive Leben sahen, also Unternehmungen mit Gleichgesinnten und Gleichaltrigen, Erschließung der eigenen proletarischen Subkultur oder aber auch allgemeine und politische Weiterbildung, die unter den gegebenen materiellen Verhältnissen unmöglich zu erlangen gewesen wäre.

Im Zuge der zunehmenden Radikalisierung der politischen und sozialen Verhältnisse nach der kurzen Stabilisationsphase der Weimarer Republik blieben auch die Jusos nicht verschont. Ein Exempel gegen die gesamte Parteilinke trug dazu bei, dass der Parteitag 1931 die Jusos auflöste, weshalb sich daraufhin viele andere linkssozialistische Splitterparteien anschlossen. Als ab 1933 durch die Machtergreifung Hitlers die Mitglieder der SPD, die gegen sein Ermächtigungsgesetz gestimmt hatten, verfolgt, verhaftet, misshandelt und ermordet wurden, waren die folgenden 12 Jahre von Emigration, Illegalität und Widerstand geprägt.

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurden 1946 die Jungsozialisten als Arbeitsgemeinschaft der SPD wieder gegründet, welcher bis heute alle Parteimitglieder unter 35 Jahren angehören. Wie auch nach dem Ersten Weltkrieg bestimmten das Bild in den Anfangsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg wiederum heimgekehrte Frontsoldaten. Als weitgehend loyaler und parteikonformer Nachwuchsverband unterstützten die Jusos ihre Mutterpartei im Wahlkampf und in politischer Bildungs- und Schulungsarbeit. Als in den 1960er Jahren eine Polarisierung der Juso-Basis einsetzte, die 1969 schließlich bei einer so genannten Linkswende zu einer "Linken Mehrheit" führte, verstehen sich die Jusos als "Jugend- und Richtungsorganisation", die die SPD vermehrt in sozialistischer Richtung beeinflussen will. jungsozialisten in der SPD

In Verbindung mit der gesellschaftlichen Bewegung und der Linkswende der Jusos gewannen diese immer mehr an Zulauf, hatten die Jungsozialisten eine wohl historisch einmalig hohe Akzeptanz und Durchsetzungskraft in Gesellschaft und Partei. Ebendiesem entsprachen auf die Mitgliederzahlen, die 300.000 Jusos in den 70er Jahren betrug. Akademisch inspirierte Kontroversen über die richtige Strategie führten schließlich auf Bundesebene zur Aufspaltung in drei Orientierungsrichtungen: eine größere reformistisch-undogmatische Strömung und zwei Minderheitsgruppen. Nach Ausschluss des damaligen Bundesvorsitzenden Klaus-Uwe Benneter aus der SPD klang dies ab, sodass die Jusos gegenüber der Partei als Stabilisierungsfaktor wirken konnten.

Personalpolitische Auseinandersetzungen auf Bundesebene reduzierten durch den Eindruck von Zerrissenheit den Einfluss der Jusos in SPD und Gesellschaft. Die von den neuen sozialen Bewegungen angesprochenen Themen wie Frieden, Ökologie und Geschlechterrolle gaben den Jusos einen neuen Aufbruch und eine jugendpolitisch-feminstische Orientierung. Mit dem Fall der Mauer 1989 bildeten sich in ostdeutschen Städten Juso-Gruppen unter dem Namen "Junge Sozialdemokraten", welche sich im September 1990 vereinigten. Der 1991 in Potsdam stattfindende Bundeskongress bildete seitdem die Grundlage für eine klare sozialistische Ausrichtung des Verbandes mit der Annahme einer bis heute gültigen Grundsatzerklärung der Jusos. Kampagnen- und Projektorientierung, inhaltlich pluralistischere Gestaltung prägen die Jusos im neuen Jahrtausend.